Auf dem Weg zum barrierefreien Musterländle

von ABS-ZsL (Kommentare: 0)

Pressemitteilung vom 04. Dezember 2015

Auf dem Weg zum barrierefreien Musterländle?

Stuttgart
Am gestrigen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen veranstaltete das ZsL eine Podiumsdiskussion zu behindertenpolitischen Themen. Die Behindertenpolitik solle im Fokus stehen, hatte der Vorsitzende des ZsL Friedrich Müller im Vorfeld angekündigt. Und so herrschte unter den Wahlkreiskandidaten aus Stuttgart auch schnell in vielen Punkten Einigkeit: mehr Inklusion an Schulen, mehr Barrierefreiheit, mehr Wohnraum für Menschen mit Behinderungen. Große Unterschiede bestanden aber darin, wie diese Ziele erreicht werden sollen.

Vor allem im Bereich Bildung und Schulen gingen die Ansichten teilweise weit auseinander. So ist FDP-Kandidat und Stadtrat Michael Conz für die inklusive Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung, aber gleichzeitig setzte er sich vehement für den Erhalt der Sonderschulen ein und warnte: „die Sonderschulen dürfen nicht langsam ausbluten“. Hierfür erntete er heftige Kritik, unter anderem von Muhterem Aras (Grüne): „Diese Denke zeigt deutlich, dass wir die Barrieren in den Köpfen lösen müssen.“ Die Schulen müssen sich weiter öffnen, Lehrer besser ausgebildet und die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt gestellt werden. Donate Kluxen-Pyta von der CDU ergänzte: „Den Eltern gesunder Kinder muss die Angst genommen werden. Erst wenn begriffen wird, dass alle von Inklusion profitieren, wird sie Normalität.“

Die Teilhabe am 1. Arbeitsmarkt hat aus Sicht der Betroffenen im Publikum noch viel Verbesserungspotential. Dieser Meinung ist auch SPD-Kandidatin Elke Ahrens. Durch das neue Bundesteilhabegesetz ergäben sich aber viele neue Möglichkeiten. „Wir werden hier die Rahmenbedingungen verbessern“. Die Kandidatin der Linken, Johanna Tiarks, will die Unternehmen mehr in die Verantwortung nehmen und schlug vor, die Ausgleichszahlungen zu erhöhen, falls ein Unternehmen keine Behinderten einstelle. „Ich kann die Unternehmen in der Wirtschaft doch nicht vergewaltigen mehr Menschen mit Behinderungen einzustellen“, meinte FDP-Mann Michael Conz dazu und verwies auf den öffentlichen Bereich: „Hier könnten wir sicher noch mehr Arbeitsplätze schaffen.“ CDU-Kandidatin Kluxen-Pyta war wichtig festzuhalten, dass „Behinderung nicht automatisch leistungsgemindert bedeutet“ und erntete Applaus aus dem Publikum.

Abschließend machten alle Kandidatinnen und Kandidaten nochmals deutlich, sich für mehr Barrierefreiheit und mehr Teilhabe einsetzen zu wollen. Sie forderten die Menschen mit Behinderungen auf, sich politisch mehr zu engagieren und die eigenen Belange deutlich zu vertreten. „Partizipation ist das Bohren dicker Bretter“, sagte Muhterem Aras. Menschen mit Behinderungen seien die Experten wenn es darum gehe den Weg in eine barrierefreie Gesellschaft ohne Ausgrenzung zu gehen. „Helfen Sie mit! Dann können wir es vielleicht schaffen, ein Musterländle in Sachen Teilhabe zu werden“, gab Elke Ahrens (SPD) den Anwesenden mit auf den Heimweg. Das Ziel ist benannt und muss nun von Kandidaten und Betroffenen gemeinsam angegangen werden. Kritische Begleitung durch das ZsL inklusive.

Das ZsL Stuttgart ist eine unabhängige Beratungsstelle von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

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