Der Ursprung der Selbstbestimmt - Leben - Bewegung liegt in den USA. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass Menschen mit Behinderungen nicht mehr länger bevormundet, betreut, diskriminiert und in betreute Einrichtungen und Anstalten abgeschoben werden wollten. Weltweit erhoben sich behinderte Menschen, um sich aus der Abhängigkeit der Wohlfahrt bzw. der Wohltäter zu lösen. Sie zeigten anschaulich durch ihr eigenes Beispiel und Engagement, dass eine Behinderung kein Hindernis für eine selbstbestimmte und eigenständige Lebensführung ist.

Das Jahr 1962 steht für den Beginn und Ursprung der weltweiten Behindertenbewegung in den USA. Bei der Vertretung ihrer eigenen Interessen wurden behinderte Menschen durch die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen und der Student/innen unterstützt und motiviert. Nach und nach erkannten immer mehr behinderte Bürger/innen, dass viele Schwierigkeiten weniger auf individuelle Schädigungen zurückzuführen waren, sondern hauptsächlich das Resultat der gesellschaftlichen Diskriminierungen darstellten. Diese wollten sie nicht länger akzeptieren und hinnehmen.

Grafik der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.
Grafik der Interessenvertretung selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.

So entstand folgerichtig 1972 das erste “Center for Independent Living” - CIL (Zentrum für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen) in den USA mit dem Angebot der “Peer Counseling”. Das heißt, hier wurden behinderte Ratsuchende erstmalig von ebenfalls behinderten Menschen beraten und unterstützt.

Der organisierte Zusammenschluss vieler behinderter Menschen verstärkte den Druck auf die US-Regierung, so daß einige Gesetze folgten. Entscheidend waren staatliche Förderprogramme, so dass im ganzen Land bis heute über 300 Zentren für selbstbestimmtes Leben aufgebaut werden konnten, die alle maßgeblich von behinderten Menschen geprägt werden nach dem Vorbild des ersten CIL.